Ode an die Zukunft: Schicksalsüberwindung und Jubiläum

Zeitgenössische Musik für Chor a cappella, Blech und Schlagwerk
07.08.2020, Parzivalsaal, Brixen


Johannes Brahms: Gesang der Parzen
für großes Orchester und gemischten Chor

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9, Bearbeitung: Gustav Mahler
für großes Orchester, vier Solistinnen und Solisten und gemischten Chor

08.08.2020, 18 Uhr, Festspiele Südtirol, Gustav Mahler Saal, Toblach
09.08.2020, 19 Uhr, Festival Junger Künstler Bayreuth, Panzerhalle

Sopran: Mechthild Bach
Alt: Ruth-Maria Nicolay
Tenor: Christian Voigt
Bass: Ulf Bästlein

Chor und Orchester der Musikakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes

Choreinstudierung: Christian Jeub

Dirigent: Martin Wettges

Alljährlich im Sommer widmen sich etwa 220 aktuelle und ehemalige Geförderte in den Südtiroler Alpen ganz der Musik: Im Mittelpunkt der Akademie steht ein künstlerisch-praktisches Programm für Chor und Orchester, das durch eine musikwissenschaftliche Arbeitsgruppe von theoretischer Seite begleitet wird. Ein Teil der Probenarbeit entfällt auf Einzelgesangsunterricht für alle Chorsängerinnen und -sänger und Registerproben für das Orchester mit renommierten Dozentinnen und Dozenten, die selbst an führenden Orchesterpositionen beziehungsweise als Solistinnen und Solisten mitwirken.

Nicht nur das Schicksal, sondern auch das Beethoven-Jahr klopft an die Tür der Musikakademie 2020, und die Teilnehmenden widmen sich der Schicksalsthematik und dem Jubiläum auf ganz besondere Weise: Für die 9. Symphonie vertonte Ludwig van Beethoven Schillers Ode an die Freude, die von Schicksal, aber vor allem auch von Schicksalsüberwindung und Frieden handelt. Neben Schillers Gedicht geht es ebenso in Goethes Gesang der Parzen um das Schicksal: Die Menschen sollen das Göttergeschlecht fürchten, denn die Götter „halten die Herrschaft in ewigen Händen, und können sie brauchen, wie’s ihnen gefällt“. Johannes Brahms vertonte diesen Gesang knapp 60 Jahre nach Beethovens 9. Symphonie zu einem chorsymphonischen Stück und ließ es mit einer leeren, offenen Quinte enden. Beethovens Neunte beginnt wiederum mit einer leeren Quinte. Ist dies und die Tatsache, dass die Stücke in derselben Tonart d-Moll stehen, ein Zufall? Wie gut kann doch der resignierende Gesang von Goethe zu Schiller, von Brahms zu Beethoven „per aspera ad astera“ geführt werden – ein Gedanke, der in der Neunten selbst thematisiert und zur Freudebotschaft aufgelöst wird: „O Freunde, nicht diese Töne!“

Der vokal-orchestral besetzte Schlusssatz von Beethovens 9. Symphonie war 1824 etwas völlig Neues, Wegweisendes. Viele trauten sich nicht, nach dieser eine weitere neunte Symphonie zu komponieren. Selbst Gustav Mahler hat seine zehnte Symphonie nicht zu Ende geschrieben und seine ursprüngliche neunte Symphonie lieber Das Lied von der Erde genannt. Dafür bearbeitete er aber Beethovens 9. Symphonie für eine größere Orchesterbesetzung, dachte die Freudebotschaft damit weiter und bekräftigte sie erneut.

Die zehnte Musikakademie lässt 2020 die Zahl 9 und das Schicksal im Gegensatz zu einigen ,sprachlosen‘ Beethoven-Epigonen hinter sich und nimmt das Jubiläum zum Anlass, um die Schicksals- und Friedensbotschaft im Kontext von Beethoven, Brahms und Mahler im Hier und Jetzt noch weiter zu denken. Ergänzt wird die Akademie passenderweise durch Lieder von Gustav und Alma Mahler, bearbeitet von Clytus Gottwald zu A-cappella-Chorstücken, die in einem Zusatzkonzert erklingen werden: Mahler erscheint so nicht nur als Bearbeiter, sondern wie Beethoven als Bearbeiteter. Das erste Konzert wird im Rahmen der Festspiele Südtirol in Toblach stattfinden und das zweite Konzert auf Einladung des Festivals Junger Künstler Bayreuth erfolgen.

Musik verbindet – Stipendiaten und Stipendiatinnen, Alumnae und Alumni, Profis und Amateure – auch über das Musizieren hinaus: Der inmitten idyllischer Weinberge und Obstplantagen gelegene Akademieort Brixen bietet einen idealen Ausgangspunkt für Wanderungen und Ausflüge in die umliegende Welt der Dolomiten, nach Bozen und Meran. Dafür stehen den Teilnehmenden die Nachmittage zur Verfügung.