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BRITTEN: WAR REQUIEM

KONZERT
mit neuer Musik für Kammerorchester und Schlagwerk
4. August, Vinzentinum Brixen

Moritz Eggert: Eiserner Vorhang
Kompositionsstipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes: neue Werke

Kammerorchester und Schlagwerker der Musikakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes
Leitung: Prof. Moritz Eggert

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WAR REQUIEM
5. August, 18:30 Uhr, Dom zu Brixen
6. August, 20 Uhr, Herkulessaal der Residenz, München

Benjamin Britten: War Requiem op. 66 für Sopran, Tenor, Bariton, gemischten Chor, Knabenchor, großes Orchester und Kammerorchester

Ruth-Maria Nicolay Sopran
Christian Voigt Tenor
Benjamin Appl Bariton

Knabenchor: Münchner Knabenchor
Leitung Knabenchor: Ralf Ludewig

Chor, Kammerorchester und Sinfonieorchester der Musikakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes
Chorleitung: Christian Jeub
Dirigenten: Prof. Moritz Eggert, Martin Wettges

»Was für Totenglocken gebühren denen, die wie Vieh sterben?
Nur die ungeheure Wut der Geschütze
Nur das schnelle Knattern der ratternden Rohre … «

1962, anlässlich der Wiedereröffnung der zerbombten Kathedrale in Coventry, schreibt Benjamin Britten sein War Requiem. Europa hatte sich in zwei Weltkriege apokalyptischen Ausmaßes gestürzt, die in ihrer maßlos gewordenen Schlachterei alle Grenzen des bis dahin Vorstellbaren gesprengt hatten.

Der lateinische Text der Totenmesse, zugeordnet dem großen Orchester und den Chören, ist das Grundgerüst des Kriegsrequiems. Aber Britten konfrontiert ihn mit Gedichten des jungen Lyrikers Wilfred Owen. Dessen Schicksal war der Erste Weltkrieg: Als Offizier der britischen Armee kämpfte er freiwillig – um mit den Mitteln der Poesie so wahrhaftig wie möglich von der Front berichten zu können. »Alles, was ein Dichter heute tun kann, ist warnen«, schreibt er, und Britten stellte diesen auch heute unausgesetzt gültigen Satz seiner Partitur voran.

Britten lässt Owens Texte, die er sehr sorgfältig in Bezug setzt zu den Strophen der Messe, von zwei Solostimmen vortragen, die von einem unabhängigen Kammerorchester begleitet werden. Das Ergebnis dieser Dramaturgie ist ein zutiefst nihilistisches Oratorium aus dem kalten Herzen des Kriegsgeschehens, gezeichnet in drastischen und doch berückenden poetischen Bildern.

In dieser Konfrontation führen die von Owen übermittelte Sinnleere und Grausamkeit des Krieges den religiösen Ritus ad absurdum. Kein Gott ist mehr zur Stelle, als Abraham sich daran macht, seinen Sohn zu schlachten, und so schlachtet er immer weiter, »die halbe Saat Europas, einen nach dem anderen« – eine ganze junge europäische Generation. Wo der Text der Messe Bangen und Schrecken vor dem Richter beschwört, da heißt es bei Owen lakonisch: »Da draußen gingen wir ganz freundlich auf den Tod zu, / setzten uns hin und aßen mit ihm«. Religion spendet keinen Sinn mehr, kein Herr erbarmt sich mehr (denn Gott hat selbst Gliedmaßen verloren), und verzweifelt fragen die Soldaten in den eisigen Morgen hinein, wie nur die Sonne jemals die Grausamkeit haben konnte, auf diesem Stern Leben entstehen zu lassen –––

Kein Requiem ist dies, sondern ein Antirequiem.


 

Download: Programmheft 2017