Leitung:

Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

Der Begriff „politische Musik“ findet sich schon 1614/15 bei Michael Praetorius, wird jedoch erst zur Zeit der Französischen Revolution gebräuchlich. Politische Musik steht als funktionale Musik im Wirkungszusammenhang von Macht und Herrschaft: Sie kann den herrschenden Zustand loben, als Mittel von Manipulation missbraucht werden oder aber, so Hanns-Werner Heister, „Veränderungen in der Perspektive eines humanen Fortschritts“ anvisieren. Politische Musik kann somit „unterschiedliche bis entgegengesetzte Stellungnahmen zum jeweiligen Gesellschaftszustand“ abgeben. Das prekäre Spannungsfeld zwischen funktionaler Wirksamkeit und zum Teil ästhetischer Belanglosigkeit, in dem politische Musik steht, hat im Kontext ästhetischer Priorisierung von absoluter Musik dazu geführt, dass politische Musik erst in jüngerer Zeit (und angeregt durch die Friedensforschung) zum Arbeitsfeld der Musikwissenschaft wurde.

Der Kurs wird sich an ausgewählten Beispielen mit diesem Themenfeld beschäftigen und dabei den Gegensatz der Akademie – also zwischen Goethe/Brahms („Der Mensch ist nur Spielball des Schicksals“) und Schiller/Beethoven („Alle Menschen werden Brüder“) – beleuchten. Unter anderem wird auch der politische Missbrauch von Beethovens 9. Symphonie op. 125 zur Sprache kommen.

Die Teilnehmenden singen oder musizieren in den Abschlusskonzerten in Toblach und Bayreuth den Schlusschor der 9. Symphonie (Ode an die Freude) gemeinsam mit der gesamten Akademie.